TEST: Aurum Vulkan VII - neuer Champion in der Liga bis 4.000 €/Stück ?
24. Januar 2007 (cr/hsh)

Einleitung
Die Aurum Titan VII konnte mit einem
grandiosen Testerfolg in unsere Annalen eingehen. Nun allerdings könnte es mit
dem alleinigen Ruhm vorbei sein - denn es droht kostengünstigere Konkurrenz aus
dem eigenen Hause. Die Vulkan VII absolvierte ausführliche Testläufe in
unserem Hardware-Teststudio in Münchberg. Mit einem Stückpreis von 3.800 €
kann man auch die Vulkan nicht als Schnäppchen in Reinkultur, sondern eher als
Investition mit hohem zeitlichen Nutzungsrahmen ansehen. Im Vergleich zur pro
Stück 6.000 € zu Buche schlagenden Titan jedoch ist sie doch ein gutes Stück
preiswerter.

Brodelnder Vulkan - oder akustisches Einerlei? Wir haben die
Aurum-Box genau inspiziert
Rein optisch unterscheiden sich die beiden Aurum-Familienmitglieder weniger,
als eigentlich erwartet. Beide interpretieren durch die eigenständige
Formensprache den Begriff "Lautsprecherbau" bis zu einem gewissen Grad
völlig neu. Die Optik kann gewisse Parallelen zu hochwertigen
Musikinstrumenten nicht verleugnen. Sieht man beide imposanten Boxen
nebeneinander, fällt schon auf, dass die Titan nochmals ausladender ist und
einen 38 cm Tieftöner mitbringt. Die Vulkan begnügt sich mit einem 32 cm
Tieftöner.
Nun sind wir gespannt - wie schlägt sich die Vulkan? Für wen lohnt sich der
Aufpreis zur Titan? Welche firmenexternen Kontrahenten hat die Vulkan zu
fürchten? Die Antworten gibt unser Bericht.
Technik und Aufbau

Die Vulkan VII ist eine 3-Wege-Bassreflexbox, die nach dem
Druckkammer-/Bassreflex-Prinzip arbeitet
Es finden sich viele Gemeinsamkeiten bei Technik und Aufbau. So ist auch die
Vulkan VII als 3-Wege-Bassreflexbox konzipiert, die nach dem
Druckkammer-/Bassreflex-Prinzip arbeitet. Die Gehäuse von Titan und auch Vulkan
werden in Deutschland in Handarbeit gefertigt. Die Vulkan ist, wie auch die
Titan, mit einem hoch entwickelten Bändchenhochtöner ausgestattet, der nach
dem magnetostatischen Prinzip arbeitet. Die besonders dünne und zudem
ausgesprochen leichte Membran befindet sich in nächster Nähe zu vier
Neodym-Magnetstäben. Neodym-Magneten sind besonders leistungsstark, so können
sie im Vergleich zu konventionellen Magneten deutlich kleiner und leichter
ausfallen. Die durch diese Konstruktion entstehende Kraft ist so immens, dass
man sie mit bloßen Händen nicht mehr voneinander trennen kann. Die
Membranfläche des Hochtöners ist im Vergleich zum Vorgänger beinahe viermal
so groß. Aus diesem Grunde kann der neue Aurum Hochtöner eine ganze Oktave
tiefer eingesetzt werden (ab 2 kHz) und kann 10 dB mehr an Maximaldruck erzeugen
- was in der Praxis heißt, dass der neue Hochtöner doppelt so laut aufspielen
kann wie der alte. Für den neuen Hochtöner spricht auch seine enorme
Impulsschnelligkeit.

32 cm-Tieftöner
Das Druckkammer-Bassreflexprinzip ist ebenfalls sorgfältig durchdacht. Die
Membranrückseiten arbeiten auf ein Bassreflex-Volumen, an den Vorderseiten
dagegen auf eine Druckkammer. Ursprünglich war diese Art der Technik
professionellen Studiomonitoren vorbehalten. Vorteile der
Technologie-Kombination sind der sehr gute Tiefgang (was man in unserem Test
auch eindrucksvoll nachvollziehen konnte), gekoppelt mit hoher Präzision. Auch
für die Pegelfestigkeit ergeben sich Vorzüge, denn auch bei sehr hohen
Lautstärken wirkt die Basswiedergabe noch souverän. Mit 32 cm ist, wie bereits
erwähnt, der Tieftöner der Vulkan 6 cm kleiner bezüglich des Durchmessers als
der der Titan.

ALTIMA-Mitteltöner mit 17 cm Durchmesser
Der Mitteltöner hat einen Durchmesser von 17 cm und ist wie der
Basslautsprecher aus dem ausgesprochen stabilen, resonanzfreien und
klangneutralen Werkstoff ALTIMA gefertigt. ALTIMA® vereint die drei Leichtmetalle Aluminium, Titan und Magnesium miteinander - um ein perfektes Schwingungsverhalten zu erzielen.
Die Hauptursache für den unterschiedlichen Klang diverser Materialien liegt in der Tatsache, dass sich Membranen beim Schwingen unkontrolliert verbiegen und dann nicht genau den Vorgaben der Schwingspule folgen. Das Ausmaß dieser so genannten "Partialschwingungen" determiniert großenteils den Eigenklang von
Membranen - den man eigentlich absolut gering halten möchte. Deshalb versuchen die Lautsprecherhersteller, materialbedingte Eigenresonanzen möglichst effektiv zu unterdrücken und auf verschiedene Frequenzen zu verteilen, um sie damit bestmöglich zu kaschieren.
ALTIMA® eröffnet dagegen ganz andere Möglichkeiten: Zum einen lassen sich die Materialresonanzen damit aus dem jeweiligen Einsatzbereich der Lautsprecher herausdrängen oder -schieben, und zum zweiten
wird es ermöglicht, die Resonanzen zu bündeln und dann per Netzwerk zu eliminieren. Das scheint simpel, gelingt aber kaum mit anderen Materialien. Daher sind Schnelligkeit,
Genauigkeit und die Abwesenheit von Eigenklängen die besonderen Kennzeichen der
Aurum-Konusmembranen.

Kolosse: 49,5 kg wiegt eine Aurum Vulkan VII
Die weiteren technischen Daten lesen sich vielleicht nicht ganz so imposant wie bei
der Titan, wirken aber immer noch höchst beeindruckend. Beginnen wir diesmal
mit Abmessungen und Gewicht. Eine Höhe von 115 cm, eine Breite von 37,9 cm und
eine Tiefe von 39,4 cm zeigen eindrucksvoll, dass man an keinem Mangel an
potentieller Stellfläche leiden sollte. Das Gewicht von 49,5 kg beweist, dass
hochkarätige Technik, vor allem ein entsprechend resonanzarmes und
verwindungssteifes Gehäuse, auch ihr Gewicht hat. Mit einer Nennbelastbarkeit
von 250 und einer Musikbelastbarkeit von 400 Watt werden enorme Werte erreicht,
die das Zusammenspiel auch mit sehr hochwertigen Verstärkereinheiten
ermögliche. Man muss aber keinen exorbitant kraftvollen Verstärker mit der
Vulkan VII kombinieren, denn mit einem Wirkungsgrad von 90 dB (1W@1m)
wird ein sehr guter Wert für eine solche Highendbox erzielt. Die Vulkan ist
für Verstärker mit einer Impedanz von 4 bis 8 Ohm ausgelegt. Besonderer
Konstruktionsaufwand steckt in der Frequenzweiche. So stammen die meisten der
verwendeten Kondensatoren von dem Qualitätshersteller Mundorf und die
Verkabelung vom französischen Spezialisten Real Cable. In Anbetracht des
immensen getrieben Aufwandes können wir der Vulkan trotz des hohen Kaufpreises
die Note "hervorragend" geben.
Verarbeitung

Penible Verarbeitung der Gehäuse-Seitenteile

Extravagante Farbkombination bei unserem Test-Lautsprecherpaar

Durch den speziellen Grundriss des Gehäuses ist es schwierig,
ein makelloses Finish zu erzielen. Aurum jedoch hat es geschafft - das
ausgesprochen hochwertige Gehäuse wird in Handarbeit in Deutschland produziert

Gleichbleibende Spaltmaße dokumentieren den lobenswerten
Standard
Von einem Lautsprecher, für den 3.800 € pro Stück zu
berappen sind, erwartet man natürlich eine ausgesprochen ansprechende
Verarbeitungsqualität - welche die Aurum Vulkan VII auch zweifelsohne bietet. Der
32 cm Tieftöner ist sehr sauber eingepasst und mit soliden Gitterstäben
versehen - ob diese Lösungen jeden potentiellen Käufer optisch überzeugt, sei
einmal dahingestellt, an der handwerklichen Ausführung gibt es nichts zu
bemängeln. Geschmackssache ist auch die Zweifarben-Ausführung unseres
Testsamples. In der Redaktion gab es kontroverse Diskussionen, von bestechend
attraktiv bis absolut unansehnlich lauteten die Kommentare zur Kombination aus
dunklem Holzfurnier mit weißen Flächen. Selbstverständlich hat Aurum auch
andere Farbkombinationen im Angebot, so dass sowohl klassisch als auch modern
eingestellte potentielle Käufer eine passende Farbvariante finden werden. Handwerklich ist das Gehäuse sehr
penibel verarbeitet, mit gleichbleibenden Spaltmaßen und sehr solider Anmutung. Die
sehr extravagante Formgebung ist aus fertigungstechnischer Sicht ausgesprochen
kritisch, ein Gehäuse, das diese sehr spezielle Form mit entsprechender
Fertigungsqualität und Materialgüte zu vereinen weiß, ist nur bei
ausgesuchten, erfahreneren Anbietern extern zu fertigen. Daher kauft Aurum die
Gehäuse auch bei deutschen Handwerksbetrieben und nicht bei den Herstellern von
Dutzendware in Fernost ein. Hier bekommt der Käufer also eine Sorgfalt auch im
Detail geboten, die selbst bei derart teuren Produkten nicht selbstverständlich
ist. Nur wenige andere Anbieter, wie z.B. Canton, betreiben bei ihren
Topmodellen einen vergleichbaren Aufwand.

Das mitgelieferte Stoffgitter zur Abdeckung wird dem sonstigen
hohen Qualitätsanspruch nicht gerecht

Hochwertiges Anschlussterminal
Kommen wir nun zu unseren Eindrücken des Anschlussterminals.
Erwartungsgemäß wird auch hier ein hoher Standard geboten. Kritik verdient die
Stoffabdeckung, die man wahlweise auf der Front montieren kann. Nicht nur, dass
der untere Teil der Abdeckung leicht verbiegen kann, auch die Tatsache, dass
nicht hochwertiges Metall für die Abdeckung verwendet wurde, ist nicht ganz
preisklassengemäß und verhindert, dass die Vulkan die Traumnote
"perfekt" bezüglich der Verarbeitung erhält. So muss sie sich mit
einem "hervorragend - perfekt" "begnügen".
Klang

Ihre klanglichen Fähigkeiten musste die Vulkan VII an
verschiedenen zuspielenden Elektronikketten unter Beweis stellen
Was erwartet der Käufer von einem außerordentlich teuren, edlen
Lautsprecher? Diese Frage lässt sich nicht global und schnell beantworten.
Vielmehr muss man sich tiefer mit Faktoren wie der Hörerfahrung, der
bevorzugten Musik, der Elektronikkette, an der die Schallwandler betrieben
werden sollen, und der jeweils individuellen Art des einzelnen Zuhörers, Musik
zu genießen, beschäftigen.
Von den Anwendern, die viel Geld für eine Box ausgeben, erwartet jeder etwas
Anderes vom neu erworbenen Schmuckstück. Der Liebhaber des klassischen High
Fidelity-Ideals möchte eine möglichst neutrale Wiedergabe erzielen, die im
bestmöglichen Fall 1:1 dem entspricht, was auf der ursprünglichen Quelle
enthalten ist. Eine anderer Art von Hörern schätzt es hingegen, wenn bestimmte
Einzelheiten der musikalischen Darbietung vom Lautsprecher mit leicht interpretatorischem
Handeln herausgearbeitet werden: Wenn eine klare Frauenstimme auf der Quelle
vorhanden ist, soll der Schallwandler diese mit besonders offensichtlich
präsentierter Brillanz herausarbeiten. Wenn ein sehr kraftvoller Bass vorhanden
ist, soll die Box diesen besonders abgrundtief und raumfüllend wiedergeben.
Diese Art der Wiedergabe ist vom HiFi-Fan verpönt, er spricht abfällig vom
"Sounding". Und auch wenn man sich die Produktbeschreibungen der
Lautsprecherhersteller durchliest, findet man immer wieder Sätze wie
"absolut neutrale Wiedergabe" oder "völlig unverfälschter
Klang". Die Praxis dann lehrt uns etwas völlig anderes: Lautsprecher, die
praktisch vollkommen neutral klingen, finden sich kaum - wenn man es genau
nimmt, eigentlich gar nicht. Nahezu jeder Anbieter gibt seinen Produkten ein
gewisses akustisches Profil mit auf den Weg zum Kunden, wohl wissend, dass
Hörgeschmäcker unterschiedlich sind. Wollten alle nur neutral und somit
identisch hören, könnte man wie zu Zeiten der Deutschen Demokratischen
Republik ein Boxen-Kombinat aufmachen, in dem die einzig wahre, weil absolut
neutral klingende und unverfälscht wiedergebende Box hergestellt wird - und
alle wären glücklich. Doch leben wir in der freien Marktwirtschaft, und die
völlig verschiedenen Präferenzen der Hörenden können berücksichtigt
werden.
Aus diesem Grunde unterscheiden sich die Performance-Profile von
Lautsprechern sehr stark. Es gibt den "Universalisten", der alle Arten
von Musik gekonnt und harmonisch darstellt. Und es gibt den
"Spezialisten", der sich z.B. als enormes Talent für die Wiedergabe
von Klassik und Jazz entpuppt, für die eindrucksvolle Wiedergabe von Rockmusik
oder Filmton aber weniger geeignet ist. Genau deshalb ist es auch elementar
wichtig, dass sich der geneigte Käufer über sein eigenes Anforderungsprofil im
Klaren ist und anschließend mit Zeit und Sorgfalt verschiedene Schallwandler in
eigenen Testreihen Probe hört.
Kommen wir nun zu unserem Testkandidaten, der Aurum Vulkan VII. Diesen
Lautsprecher einzuordnen, fällt deutlich weniger schwer als erwartet, denn die
Vulkan VII macht das, was der "normale" Hörer, der sich einfach eine
überragende Box gönnen möchte, erwartet: Sie spielt sehr mitreißend, Grob-
wie auch Feindynamik überzeugen, sie erzielt ein immenses Volumen und sie
harmoniert praktisch zu allen Musikrichtungen. Trotz aller gebotenen Dynamik und
Lebendigkeit ist die Vulkan vom Klangcharakter eher leicht warm. Daher ist es
auch nicht allzu empfehlenswert, sie mit ebenfalls leicht warm und eher
"soft" abgestimmter Elektronik einzusetzen. Diese Aspekte werden wir
nun vertiefen.

Deutlich hörbare Unterschiede beim Anschluss verschiedener
Zuspieler: Exzellente Akustik in Verbindung mit der Rotel RC1090/RB1090
Kombination (links), sehr guter Höreindruck zusammen mit den Audio Analogue-Komponenten
(mittlerer Geräteturm, oben), überraschende Qualitäten offenbarte der Denon DVD-3930
als CD-Spieler-Ersatz (mittlerer Geräteturm, unten). Nicht optimal harmonierte
die Vulkan VII mit der Marantz-Kette PM-11S1 (Vollverstärker) und SA-11S1 (CD/SACD-Player,
Verstärker rechts im Bilde, SACD/CD-Player oberhalb des DVD-3930 zu sehen)
Unsere Testreihen förderten eine echte Überraschung zu Tage, denn die
Vulkan harmonierte exzellent mit der Rotel RC1090/RB1090
Vor-/Endstufenkombination. Hier wurde eine Akustik geboten, die praktisch
alles mitbringt, was für ein außergewöhnliches, in Erinnerung bleibendes
Hörerlebnis nötig ist. Als Zuspieler dienten der
Audio Analogue "Maestro" CD-Player und der Denon DVD-3930.
Im direkten Vergleich der Zuspieler konnte sich der DVD-3930 übrigens
eindrucksvoll in Szene setzen: Mit seinem klaren, ausgezeichnet aufgebauten
Klangbild musste er sich nicht hinter dem edlen, teuren, reinen CD-Player von
Audio Analogue verstecken. So gut klang bislang kaum ein DVD-Player als
CD-Player-Ersatz. Bei den Titelmelodien aller 007-Filme agierte der 3930 bei
"A View to a Kill" und bei "You only life twice" sehr
lebendig und authentisch. Stimmen und Instrumente trennte er beinahe ebenso
sauber voneinander wie der Maestro 192/24 CD-Player.
Kommen wir nun aber zum gekonnten Auftritt des Rotel-Gespanns. Bedingt durch
die Tatsache, dass die Vulkan einen sehr reichhaltigen Bassbereich offeriert,
ist eine Verstärker-/Vorverstärkereinheit, die im unteren Frequenzbereich
nicht noch zusätzlich Sounding-bedingtes Volumen aufbaut, von Vorteil. Die
unten herum sehr linear und neutral auftretende Rotel-Kombi erwies sich hier als
absoluter Glücksgriff. Waren wir bei der Aurum Titan VII
noch eher weniger begeistert vom Zusammenspiel mit den Rotel-Komponenten, wird
in Verbindung mit der Vulkan ein enormes Potential aufgeboten. Die Gründe für
diese interessante Beobachtungen liegen in der mehr auf Volumen und Nachdruck
getrimmten Auslegung der Vulkan. Dies wiederum harmoniert vortrefflich mit den
exorbitanten Kraftreserven von Rotels "Tower of Power" RB1090. Ohne
Probleme können auch höchste Pegel in Hörräumen über 50 Quadratmeter
realisiert werden. Bei der Symphonie Nr. 9 "Aus der neuen Welt" von
Antonin Dvorak waren die unterschiedlichen Dynamiksprünge ein enormer
Hörgenuss. Ohne jegliche Anstrengung erzielten die Vulkan einen
vielschichtigen, differenzierten, raumfüllenden Klangeindruck, die Musik schien
völlig von den Boxen zu lösen und sich frei im Hörraum auszubreiten. Wie ein
wohldosierter, exzellent akzentuierter Klangteppich konnten die eindrucksvolle
Symphonie genossen werden.
Es gibt durchaus Hörertypen, die bezüglich ihres Musikgeschmacks
ausgesprochen vielfältig sind: Nach Dvorak kommt Eros Ramazzotti - und auch die
Songs des italienischen Meisters der herzberührenden Popmusik harmonieren
hervorragend mit der Kombination Rotel/Vulkan: Emotional, tiefgreifend und
wiederum mit sehr genauem Aufbau ertönt "Musica é" im Hörraum. Die
sehr feinfühlige Ausformung der Stimme, das präzise Abklingen der Instrumente
und die niemals aufdringlich-aggressive Wiedergabe sind die großen Pluspunkte,
die die Aurum-Schallwandler hier sammeln können. Alles erscheint wie aus einem
Guß, so dass der Zuhörer die Möglichkeit hat, völlig in der Musik zu
versinken.
Kein anderer Lautsprecher harmonierte bislang so gut mit unseren
Rotel-HiFi-Geräten - bei der Zusammenstellung mit anderen Boxen wirkte der
Klang im Bassbereich zu emotionslos, und der obere Mitteltonbereich erschien uns
etwas zu präsent. Diese ganze Problematik existiert im Zusammenspiel mit der
Vulkan VII nicht mehr.
Mit dem Audio Analogue
"Maestro" Vollverstärker erschien uns das Zusammenspiel zwar auch
gelungen, aber nicht so exzellent ausbalanciert wie mit der Rotel-Kette. Bei
höherer Lautstärke geht dem im Vergleich zur Rotel Endstufe eher klein
dimensionierten Vollverstärker auch etwas "die Puste" aus. Das
Klangbild wirkt dann nicht so fein aufgelöst wie bei der Lösung mit den
Rotel-Geräten RC1090/RB1090. Auch der Bass wird nach massiver Pegelhatz über
einen längeren Zeitraum nicht mehr so straff und wohl konturiert dargestellt
wie bei der Rotel-Kette, der auch nach mehrstündigem Betrieb mit hoher
Lautstärke nicht die geringste Anstrengung anzumerken war. Dass der Audio
Analogue-Verstärker minimal warm ausgelegt ist, blieb nicht ohne Spuren: Bei
niedrigerem Pegel trat das Klangbild als recht füllig und üppig in
Erscheinung. Wer auf diese barocke Art der akustischen Ausmalung Wert legt und
nicht allzu hohe Pegel fährt, könnte daher auch diese Kombination ins Auge
fassen - zumal der Maestro-Vollverstärker nicht zu den Geräten zählt, die
eine leicht warme Grundcharakteristik mit mangelhafter Dynamik kombinieren:
Gerade aus dynamischen Aspekten stellt der Maestro Vollverstärker nach wie vor
eine ausgezeichnete Wahl dar.

Kraftvoll und nachdrücklich spielt die NAD C162/C272
Vor-/Endstufenkombination auch in Verbindung mit der Aurum Vulkan VII auf
Kommen wir nun zu den Ergebnissen, wenn wir die teuren Aurum Vulkan VII an
der vergleichsweise günstigen NAD C162/C272
Vor-/Endstufenkombination betreiben. Mit dem sehr lebendigen und zugleich
ausgesprochen kräftigen Sound hat sich die NAD-Kette bereits einen festen Platz
in unserem Testgeräte-Furhpark erspielt. Diese Tugenden greifen auch wieder
voll beim Zusammenspiel mit der Vulkan. Gerade Pop- oder Rockmusik, aber auch
House und Techno können so ausgezeichnet wiedergegeben werden: Nachdrückliche
Bässe, sehr gute Räumlichkeit, hohe Pegelfestigkeit. Bei Klassik und Jazz,
aber auch bei feinfühliger, facettenreicher Popmusik fehlt den NAD-Komponenten
aber das feindynamische Können der Rotel-Kombination. Hier ist die
Detaillierung dann hörbar unter Rotel-Niveau, und auch der Hochtonbereich wirkt
nicht ganz so brillant. Trotzdem: Wir können NAD nur unseren vollen Respekt
aussprechen. Für wenig Geld können die beiden britischen HiFi-Komponenten
sogar an Nobel-Schallwandlern wie der Vulkan eingesetzt werden.
Als nicht besonders empfehlenswert erwies sich der Anschluss der
Marantz-Kette PM-11S1 (Vollverstärker) und SA-11S1 (CD/SACD-Player). Die warme,
leicht behäbige Auslegung der Marantz-Komponenten (Vorsicht: Die aktuellen
AV-Receiver, ganz besonders der Marantz SR8001,
haben eine andere Auslegung!) bringt zwar viel Homogenität und Harmonie ins
Spiel, verlangt aber nach anders abgestimmten Lautsprechern. Hier sollte man
Boxen verwenden, die im Bassbereich schlanker und härter abgestimmt sind und im
Hochtonbereich eine Extraprise Klarheit auf Lager haben. Mit den sehr voluminös
auftretenden Vulkan VII ist das akustische Erlebnis eher weniger faszinierend,
denn es fehlt an direkter Dynamik und an akustischer Lebendigkeit.

Nachdruck und Tiefgang der Vulkan VII sind enorm
Weitere Anmerkungen: Die Vulkan VII eignet sich auch vortrefflich als Zentrum
einer enorm leistungsstarken Surroundanlage. Durch den extremen möglichen
Tiefgang und die massive Basskraft ist kaum ein zusätzlicher aktiver Subwoofer
von Nöten - vorausgesetzt, der zuspielende Verstärker ist entsprechend potent
im Bassbereich. Wir können für die Vulkan VII nahezu ohne Einschränkung
Produkte von Audionet oder Rotel empfehlen, auch für den Mehrkanalbetrieb.
Bleibt nur unser Wunsch an Aurum, dass ein entsprechend dimensionierter Center
und eine Regalbox, die man als Rearlautsprecher einsetzen kann, das Programm
ergänzen. Als Vorbild könnte hier Pioneers EX-Lautsprecherserie
gelten. Ihre mitreißende, kraftvoll-dynamische Spielweise qualifiziert die
Vulkan VIII jedenfalls absolut auch für den außerordentlich anspruchsvollen
Heimkinoeinsatz. Damit es nicht zu unschönen Spiegelungseffekten, gerade in
Verbindung mit Beamern im dunklen Heimkinoraum, kommt, empfehlen wir nur eine
andere Farbgebung als bei unseren Testsamples. Was auch für die Vulkan VII
spricht, ist die einfache Positionierung, aufgrund des günstigen, breiten
Abstrahlwinkels ist dieser Lautsprecher nicht sonderlich
aufstellungskritisch.

Der Tieftöner der Vulkan VII ist, wie auch bei der Titan VII,
ausgesprochen leistungsfähig
Vergleichen wir die Vulkan VII nun mit der Titan VII
- immerhin trennen diese beiden Lautsprecher 2.200 € - pro Stück! Ist die
Titan den immensen Mehrpreis Wert? Die Antwort: Es ist eine Frage des
persönlichen Anforderungsprofils. Das, was die Vulkan VII an
Faszinationspotential mitbringt, ist bereits deutlich mehr, als das, was selbst
der anspruchsvolle Musikliebhaber, der eine vielfältig einsetzbare Box sucht,
bislang kennen dürfte. Aufbau, Raumeindruck, Feindynamik und Lebendigkeit
liegen schon bei der Vulkan auf extrem hohem Level. Es ist eine Entscheidung wie
zwischen einem Maybach 62 und einem Mercedes S600: Wer einfach alles im
Überfluss möchte, greift zum Maybach, wer einen extrem hohen technischen
Standard, kombiniert mit Luxus der Oberklasse, fokussiert, greift zum S600. So
verhält es sich auch mit diesen Schallwandlern: Wer eine mit enormem Aufwand
entwickelte Box sucht, die über einen sehr langen Zeitraum große Freude
bereitet und sich daher auch aus finanzieller Perspektive lohnt, kann ohne Reue
zur Vulkan VII greifen. Allerdings sollte die Elektronikkette, an der die Box
betrieben wird, genau untersucht und getestet werden. Spielt Geld eine geringe
bis gar keine Rolle und legt man Wert auf die plastische, greifbare und
tiefgreifende Herausarbeitung auch des letzten musikalischen Details, steht die
Titan VII bereit. Mit ihr erlebt man z.B. Orchestermusik in einem so hohen Maß
an Authentizität, dass man mit geschlossenen Augen tatsächlich denkt, man
säße im Konzertsaal. Schon mit der Vulkan kann man völlig in der Musik
versinken, mit der Titan kommt jedoch noch eine akustische Dreidimensionalität
hinzu, die man getrost als beispielhaft bezeichnen kann. Somit kann man
bilanzierend festhalten, dass beide Aurum-Lautsprecher ihre volle
Daseinsberechtigung haben, das insgesamt wohlfeilere Angebot ist aber die Vulkan
VII, die auch gegen andere Konkurrenten sehr gut bestehen kann.
Schlanker und neutraler abgestimmt als die Vulkan ist die Pioneer
S1-EX. Sie erzielt nicht den identischen, sehr voluminös-kraftvollen
Raumeindruck wie die Vulkan und ist für Käufer, die einen etwas
zurückhaltenderen Bassbereich bevorzugen, eine sehr gute Wahl. Sie spielt zwar
auch nicht distanziert, sondern bringt sich auch auf Schlagdistanz zum Zuhörer,
diese tiefgehende Emotionalität der Vulkan ist der S1-EX jedoch fremd. Sie
übernimmt eher den Part des akustischen Analytikers, spielt berechnender und
etwas zackiger. Zuhören kann man auch der S1-EX stundenlang, es kommt einfach
auf den Hörertypus an: Nüchterner oder eher emotionaler veranlagt? Dies ist
die Frage, die zu stellen ist.
Die Mordaunt-Short Performance 6 ist
und bleibt für einen Kaufpreis von gerade einmal 2.500 € pro Box einer der
großen Lieblinge der Redaktion. Für einen vergleichsweise geringen Betrag
erzielt sie Bestleistungen bei Grob- und Feindynamik sowie bei Antritt und
Nachdrücklichkeit. Auch die beispielhafte Verarbeitung ist hervorzuheben. Die
mit 3.800 €/Stück viel teurere Vulkan jedoch spielt in einer anderen Liga.
Die Akustik ist noch dichter, der Klang wird noch unmittelbarer, ungefilterter
wiedergegeben. Die Kombination aus leichter Wärme und hoher Dynamik bietet auch
bei extrem hoher Lautstärke noch einen angenehm ausgewogenen Klang.
Die Isophon
Europa II ist ab rund 3.850 € erhältlich und somit ein direkter
Konkurrent zur Vulkan. Gegenseitig Käufer wegschnappen dürften sich die beiden
deutschen Premium-Produkte allerdings nicht. Der technisch perfektionistisch
veranlagte Mensch - der Flugzeugingenieur, Physikprofessor oder
Fahrwerksspezialist beim renommierten Automobilhersteller, wird sich für die
mit der Präzision eines Schweizer Taschenmessers arbeitende, im Hochtonbereich
mit ungeheurer Durchzeichnung auftretende Isophon entscheiden, die zudem mit
einem extrem genau gestaffelten Bassbereich Akzente setzt. Die schwäbische Box
tendiert somit in Richtung der Pioneer S1-EX, geht aber noch ein gutes Stück
weiter: Die Pioneer spielt lässiger, und auch neutraler. Die Europa möchte,
das ist jede Sekunde spürbar, den Hochtonbereich in pures kristallklares
Hörvergnügen verwandeln. Sie leuchtet den Hörraum somit bis in den letzten
Winkel aus. Hier baut die S1-EX mehr Distanz auf und wirkt nicht ganz so
kristallklar. Der Bassbereich der Europa ist ebenfalls stets darum bemüht, mit
meisterlicher Präzision und, wenn es sein muss, unvermittelter Härte ein sehr
ehrliches, schon beinahe über-klares Profil zu zeichnen. Ganz anders der
Aurum-Schallwandler: Die Vulkan wendet sich eher an Menschen mit
unverkennbar-direkt emotionalem Charakter, die musischen Talenten einen hohen
Stellenwert einräumen, weil sie bezüglich ihres eigenes Profils in diese
Richtung tendieren: Tief empfundene Emotionen, gekoppelt mit höchst
harmonischem Gesamtklangbild - das ist eine Paradedisziplin der Vulkan
VII.
Fazit

Die Vulkan VII präsentiert sich als spielfreudiger
Highend-Lautsprecher
Gelungenes Ende eines sehr ausführlichen Testlaufs: Die Vulkan VII holt nach
der Titan VII das zweite "Masterpiece"
zu Aurum nach Hannover. Dass dieser Lautsprecher der Superlative in einen
Testzyklus fällt, in dem zufällig weit überdurchschnittliche Ausnahmetalente
wie der Denon DVD-3930 und der Harman
Kardon AVR-745 bereits ihre verdienten Testauszeichnungen erhalten haben,
kann den großen Erfolg der Vulkan VII nicht schmälern. Zwar sind 3.800 € pro
Stück eine große Summe Geld für einen Schallwandler, die Vulkan VII ist dank
ihres exorbitanten Faszinationspotentials aber jeden Cent des Kaufpreises Wert.
Wer diese Box mit der passenden Elektronik kombiniert, kommt in den Genuss einer
geschlossenen musikalischen Darbietung, die ihresgleichen sucht: Tiefgehend,
emotional, bezüglich der Fein- und der Grobdynamik begeisternd, bahnt sich die
Vulkan ihren Weg in die internationale Lautsprecher-Elite mit überraschender
Souveränität: Dieser Schallwandler ist keine schwierig zu handhabende Diva,
sondern schüttelt Bestleistungen ohne Nebenwirkungen aus dem Ärmel. Weder sind
sündhaft teure Zuspieler, noch enormer Aufwand bei der Aufstellung von Nöten.
Und: Was die Pegelfestigkeit angeht, wird sich fürs Geld kaum etwas Besseres
finden lassen. Klar ist, dass ein solcher Klang-Gigant schon Platz benötigt,
die Abmessungen der Vulkan sind nicht eben gering. Verarbeitung und technischer
Aufwand untermauern die Ausnahmestellung der Hannoveraner Box weiter. Ihre einem
edlen Musikinstrument nachempfundene Optik hebt sie deutlich von der Masse ab,
und die verwendeten Materialien überzeugen bis ins letzte Detail. Nur die wenig
ansehnliche Stoffbespannung sollte Aurum im Zuge von Modellpflegemaßnahmen
ersetzen.
High-End ohne Einschränkung: Der tiefgehende, raumfüllende
Klang geht eine perfekte Synthese mit der extravaganten Optik und der
exzellenten Verarbeitung ein. Die Vulkan VII präsentiert sich als Lautsprecher
in Bestform für den enorm anspruchsvollen Audio-Ästheten

Masterpiece Lautsprecher Highend-Klasse
Preis-/Leistungsverhältnis          
Test 24. Januar 2007
+ Extreme Pegelreserven
+ Enorme räumliche Wirkung
+ Tiefgang auf höchstem Niveau
+ Exzellente Lösung des Klangs vom Lautsprecher
+ Überragende Grob- und Feindynamik
+ Auch nach langen Hörsessions noch sehr angenehme Charakteristik
+ Kaum aufstellungskritisch
+ Sehr sorgfältige, hochwertige Materialauswahl
- Sehr ausladende Abmessungen
- Stoffbespannung der Frontgitter passt nicht zum sonstigen Anspruch
Test: Carsten Rampacher, Thomas Hermsen
Datum: 24. Januar 2007
Redaktion und Text: Carsten Rampacher
Testaufbauten: Thomas Hermsen
Pegeltest-Supervisor: Roland Klinke
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