TEST: Jamo D 500 THX Select 2 - Exzellente Heimkino-Akustik im modernen
Wohnzimmer
15. Juli 2010 (phk)
Einführung
Mit dem 7.2 Set D500 möchte Jamo dem ausschließlich praxisorientierten
Design von THX-Systemen ein Ende bereiten. Industrielles Block-Design und wenig
Ästhetik zeichnen solche Ensembles im Regelfall aus, nicht aber die D500. Mit
ihren vergleichsweise kompakten Abmessungen und dem eleganten schwarzen
(wahlweise weißen) Hochglanz-Finish sehen die Dänen ihre Lautsprecher perfekt
in die moderne Wohnzimmerumgebung integriert. Trotz der etwas kompakteren
Dimensionen versprechen die THX Select2 zertifizierten Jamos hochqualitative
Akustik im Mehrkanal- sowie im Stereobereich, die D 500 LCR + D 500 Sur übernehmen den Frequenzverlauf von
80Hz - 20kHz, unsere zwei D 500 Sub die darunter liegenden Frequenzen bis zu
angegebenen 24 Hz. Die dänischen Schallwandler in 7.2 Konfiguration sind für
3750 Euro erhältlich.
Verarbeitung
Left-Center-Right-SurroundBack
LCR Front
LCR offen
Tieftöner der LCR
Rückseite
Schaumgummi zur Abkopplung von der Wand
Hochglanz-Finish
Surround-Dipole
Seitliche Ansicht
LS-Anschlüsse
Video
Subwoofer
Subwoofer
Rückseite des LFE
Saubere, gerundete Kanten
Bodenentkopplung
Rückseite
Innenleben
Woofer von Innen
Die Verarbeitungsqualität der Jamo Lautsprecher liegt auf sehr hohem Niveau.
An den LCR+Surround-Back Komponenten finden sich tadellos gerundete Kanten am
tiefen Hochglanz-Finish, etwas Kratzempfindlichkeit können wir der Oberfläche
nicht absprechen. Die Frequenzweiche mit den LS-Anschlüssen ist fest auf der
Rückseite angebracht und verfügt über nahtlosen Materialübergang, auch die
Wandhalter sind unverückbar. Die vergoldeten Schraubanschlüsse mit
Kunststoffummantelung wirken sehr hochwertig und sind problemlos mit
Bananensteckern verwendbar. Die Wandanbringung gelingt natürlich ohne weitere
Stecker sehr viel einfacher und ist durch die darunter angebrachten
Schaumgumminoppen perfekt vorbereitet.. Die Stoffbespannung auf der Vorderseite
ist nicht zu bemängeln und mit dem kleinen Bändchen einfach zu lösen. Der
Kunststoffmantel, der für die Halterung des LS-Gitters vorhanden ist könnte
aber hochwertiger sein, die Gitter machen im abgenommenen Zustand einen etwas
lapidaren Eindruck. Die Passungen der innenliegenden Chassis sprechen sich aber
wiederum von jeglicher Kritik frei und sitzen perfekt im Gehäusekorpus. Die
Surround-Dipole mit nur einem Treiber an der Frontseite entsprechen in puncto
Verarbeitung den herkömmlichen LCR, die bei uns im Front- und
Surround-Back-Bereich zum Einsatz kommen und verfügen über dieselben
Qualitätsmerkmale, lediglich die Stoffbespannung auf der Seite der Dipole ist
nicht abnehmbar. (Kurze Anmerkung: Die empfohlene Anordnung von THX empfiehlt
die Installation von Dipolen im Surround-Bereich, in der THX Select
Spezifikation sind zwar durchaus Direktstrahler im Surround-Bereich auch
vorgesehen, jedoch macht eine Aufstellung von Dipolen im Surround-Back Bereich
absolut keinen Sinn, so dass wir in unserer momentanen Konfiguration die
Anordnung D500 LCR im Frontbereich, D 500 SUR im Surround-Bereich und nochmals
die D 500 LCR als Surround-Back einsetzen.) Der Subwoofer muss sich hinter
seinen Satelliten-Kollegen nicht verstecken, mit ebenfalls sauber gerundeten
Kanten und einer exzellenten Bodenentkopplung gliedern sich die LFE in das
Ensemble ein. Die technischen Daten entnehmen Sie bitte der Jamo
Homepage. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Hervorragend.
2L - The Nordic Sound - Mozart Streichquartett, Sonate für Cello &
Piano, Recitative Arie/Tone Wik
So feindynamisch hätten wir das Jamo Set gar nicht erwartet. Streich- und
Blasinstrumente gelingen mit überdurchschnittlicher sauberer Differenzierung,
die Violinen zeigen ihren samtigen Klang und das harmonische Zusammenspiel der
LCR-Lautsprecher wird deutlich. Genußvoll können wir den Übergängen an die
beiden Subwoofern lauschen, in gekonnter Weise gliedern sich die LFE in die
Kulissen ein, fehlende Frequenzen durch unerwünschte Sprünge lassen sich keine
entdecken. Die Piano-Anschläge erklingen enorm authentisch, stimmig ertönt
wieder das Zusammenspiel mit den beiden LFEs. Die Homogenität des Frontbereichs
ist beeindruckend, im Zusammenhang mit der exzellenten Loslösung von den
Komponenten besticht das gesamte Klangbild durch Harmonie. Auch wenn wir es
selbst kaum fassen, unsere Begeisterung macht bei der Aria Recitativa von
Vivaldi, gesungen von Tone Wik, noch einen Satz nach vorne: In hoher
Geschwindigkeit und selten solider Präzision gelingen dem Jamo Ensemble die
Dynamiksprünge der Sängerin und des Zitherinstruments, ebenso positiv sind die
authentisch harten Klänge der Stahlsaiten des Zitterinstruments zu bewerten.
Tiesto - Elements of Life, Live in Copenhagen, Back in Your Head & Adagio for Strings, DTS-HD
MA 5.1 + PL IIx Music
Nicht nur die Pegelfestigkeit testen wir am liebsten mit unserem Sample aus
Kopenhagen, auch die Geschwindigkeit und Präzision der LFEs können hier sehr
einfach überprüft werden. Die blitzschnellen und harten Kickbässe aus
Tiestös DJ-Equipment fügen dem Jamo D 500 aber keinerlei Schaden zu,
punktgenau und gewaltig treffen die Schläge auf unsere Ohren, der hohe Pegel
nimmt den Bassorgien keine Differenzierbarkeit, die diffizielen Unterschiede im
Tiefbassbereich werden exzellent ausgearbeitet. Beim Übergang zu Back in Your
Head legt der Tiefgang noch einmal nach und bohrt sich in die Magengrube der
Testautoren. Ohne Einbußen in der Gesamtdynamik wird Teagan/Sarahs Stimme von
den Satelliten-Komponenten der Jamos gelöst und binden sich mit leichter
Schärfe authentisch in die weite Disco-Atmösphäre ein.
Harry Potter and The Order of The Phoenix, DTS-HD Master 5.1 + PL IIx Movie
Saubere Stimme Bellatrix Lestranges zu Beginn des 29. Kapitels. Mit
Erscheinen von Voldemort beginnt das Schauspiel kurz vor Ende des fünften Harry
Potter Teils. Von oben herab gelingt die Darstellung der Stimme in den halligen
Räumen des Ministry of Magic. Als Albus Dumbledore durch einen der Kamine des
Floo Networks in die Gemäuer erlangt, zeigen die Subwoofer schon in der
Eingangssequenz ihren enormen Tiefgang und ihre brachiale Kraft. Beim Aufbau des
Feuerdrachens setzt sich diese Performance nahtlos fort, immer wieder müssen
wir erneut die beinahe perfekte Räumlichkeit loben, mit exzellentem Volumen und
hoher Weite verbreitet das Schauspiel Gänsehaut-Feeling beim Hörer. Auch die
Loslösung von den Komponenten trägt zur Breite der Bühne bei, während dem
Duell zwischen Albus und Voldemort schießen die magischen Blitze von links nach
rechts und erweitern den akustischen Raum. Die Woofer lassen sich selbst bei
hohem Pegel durch nichts beeindrucken und liefern satte Bässe mit kraftvollem
Druck und hoher Präzision.
Batman - The Dark Knight, Kapitel 1, Dolby TrueHD 5.1 + PL IIx Movie
Pure Freude! Das Aufschießen des Fensters im Hochhaus gelingt mit exzellent
hoher Präzision und fein differenziert von den beiden kräftigen Jamo Woofern
wiedergegeben, auch die Gesamtdynamik beweist sich sofort im Abfeuern des
Enterhakens auf das gegenüberliegende Gebäude mit hohem Begeisterungsgrad. Die
homogene Räumlichkeit ist exzeptionell, die beiden Clowns auf dem Drahtseil
können geradewegs mitverfolgt werden, gleiches stellt sich beim von rechts
anfahrenden Geländewagen ein. Der Uzi-Schuss der einfallenden Schurken wird
nicht aggressiv, aber klar und authentisch nach oben hin an die Decke gefeuert.
Die Stimmwiedergabe hinter den Masken wirkt gewollt bedeckt und kann nicht
bemängelt werden. Während die Clowns den Safe betreten eröffnet sich wieder
eine sehr breite und homogene Surroundkulisse, man spürt förmlich das
Aufschwingen der enorm schweren Safe-Tore und wird hineingetragen. Während des
gesamten Vorgangs hören wir ein monotones Tiefbass-Grollen, tief und druckvoll
aber differenzierbar gelingt den beiden Jamo Woofern ein hervorragend
authentisches Grundvolumen, ein bebender Nebel hüllt den Hörer beinahe ein.
Selbst der letzte Pumpgun-Schuss gelingt den Woofern mit enormer Kraft ohne
einen Ansatz von Durchschlagen.
CD - Stereo
Basshunter - Russia Privjet, L.A. Style - I'm Raving, Bedrich Smetana - Die
Moldau
Selbst im Stereo-Betrieb zeigt das Jamo Set Stärke. Die treibenden
Kickbässe werden mit hoher Präzision und Geschwindigkeit wiedergegeben, seit
dem Filmbetrieb Fans der zwei Jamo D 500 Subs bleibt für uns die Performance
beinahe auf einem Level. Bis zu höchstem Pegel bleibt das Ensemble ein Genuß,
angenehme Stimmwiedergabe des Schweden Jonas Erik Altbergs und der Vocals von
L.A. Style verbreiten schwungvoll Partystimmung in der Redaktion.
Party-Atmosphäre kommt zwar bei Smetanas Moldau nicht auf, aber auch im
klassischen Bereich gefallen uns Dänen sehr gut, die endgültige
Feingeistigkeit können die zwei LCR+Subs nicht aufbieten, wohl aber ein
differenziertes Klangbild mit breiter Bühne, die Harmonie mit den
Tieffrequenzemittern bleibt erfreulicherweise auf gleich hohem Niveau.
Eigenschaften im Kurzüberblick
Tonalität: Nahe an Neutralität spielt das Jamo Set authentisch bis in
den Bereich der höchsten Pegel, stimmige Wiedergabe im Mittenbereich und
ein minimal weicher (read: nicht spitz) Hochtonbereich lassen bei
Effektspektakeln und harter Musik Freude aufkommen
Räumlichkeit: Tadellos! Die 7.2 Konfiguration mit Dipolen im
Surround-Bereich bietet eine exzellent homogene Räumlichkeit mit üppiger
Weite und Tiefe. Die Loslösung von den Komponenten gelingt ebenso
hervorragend.
Grobdynamik: Keine Kritik. Mit massiven Dynamiksprüngen kommt das Jamo D
500 problemlos zurecht, leicht warmer, aber sehr klarer Hochtonbereich
gepaart mit tiefen und präzisen Bässen haben wir nichts auszusetzen.
Feindynamik: Ebenfalls sehr gut, eine solche Feindynamik im Klassikbereich
haben wir nicht von Jamos erwartet. Das D 500 ist damit noch kein Feingeist,
kann aber durchaus hohen Ansprüchen besonders bei gutem Ausgangsmaterial
gerecht werden.
Tiefgang: Wahnsinn, die D 500 Subwoofer lassen keine Wünsche offen und
schaffen einen voluminösen, kraftvollen Tiefbassbereich und spielen bis in
die untersten Frequenzen.
Pegelfestigkeit: Hier muss man keine Grenzen ziehen, mit enormer
Pegelfestigkeit sorgt das Set selbst bei höchsten Dynamik-Sprüngen für
keinerlei Einschränkungen und fordert selbst gefestigten Hörern alles ab.
Wirkungsgrad: In Ordnung, wir würden aber keinen schwachbrüstigen AVR
zum Betrieb mit den Dänen empfehlen, die Performance der Skandinavier
verdient einen hochwertigen Amp.
Konkurrenzvergleich
Das Canton Chrono SL 5.1 spricht
zwar durchaus auch ein design-orientiertes Publikum an, lässt sich dann aber
ins sehr feingeistige und klassische Genre eingliedern. Mit den beiden großen
Standboxen vorne spielt das Chrono Ensemble im Stereobetrieb noch etwas luftiger
und feiner aufgelöst. Im Bereich Homogenität und Räumlichkeit muss es das
Jamo aber schließlich ziehen lassen, das D 500 bietet eine weitläufigere
Bühne und damit mehr Atmosphäre während dem Filmgenuß. Im Hochtonbereich
zeigt das Chrono eine brilliante Auslegung, während das Jamo zwar klar, aber
etwas weicher erklingt. Auch das Quadral Chromium
Style 5.1 ist von der feingeistigen Art und zeigt eine sehr differenzierte
Feindynamik mit besonderer Stärke bei der Ausformung vokaler Charakteristika in
der Stimmwiedergabe. In Bezug auf die Homogenität im Raum sind aber die
identischen Komponenten der Dänen wieder überlegen und lassen den Hörer ins
Klanggeschehen eintauchen, der kleine Quadral Sub ist zwar ein echter Gigant
unter den Zwergen, muss sich aber den beiden Jamo LFEs in puncto Volumen und
Kraft geschlagen geben. Gegenüber dem Celan
XT-Set, dass etwas sensibler und seidiger an die verschiedenen Genres
herangeht, bietet das Jamo Ensemble mehr Grobdynamik und eine bessere
Abstrahlcharakteristik des Center-Lautsprechers.
Gesamtnote Klang in Relation zur Preisklasse: Hervorragend.
Fazit
Design-orientierte THX Select 2 - Lautsprecher mit Stärken in
ausnahmslos allen Bereichen, darauf haben wir gewartet! Wir waren uns sicher,
dass der schlichte Auftritt in Hochglanz-Schwarz und kubischem Design den Weg in
moderne Wohnzimmerumgebungen ebnet. Dass das skandinavische Ensemble aber auch
akustisch eine solch gnadenlose Performance hinlegt, damit hätten wir nicht
gerechnet. Begeisternde Homogenität der gesamten Klangkulisse, exzellente
Pegelfestigkeit und überdurchschnittliche Harmonie im Zusammenspiel der
LCR/Dipole mit den beiden D 500 Subwoofern ist nur der erste Vers unserer
Lobeshymne. Die Tieffrequenzemitter verdienen eigentlich eine komplett eigene
Strophe durch ihre tadellosen Stärken in puncto Geschwindigkeit, Präzision und
Tiefgang. Das gesamte D 500 Set spielt mit einer atmosphärischen Räumlichkeit
in Weite und Tiefe auf und lässt den Hörer ins Filmgeschehen eintauchen.
Besonders die tollen Eindrücke im Musikbetrieb stellen aber das THX
Heimkino-Set nochmals in den Vordergrund, schnelle Party-Musik aber auch
feingeistigere Klassik-Klänge können den geneigten Käufer des skandinavischen
Lautsprecher-Sets begeistern. Ob wir bei einer etwas niedrigeren
Preiskalkulation unser Masterpiece-Prädikät gezückt hätten, ist schwer zu
beantworten, fest steht aber dass das Jamo D 500 für den design-orientierten
Heimkino-Fan mit hohen akustischen Ansprüchen das perfekte Ensemble darstellt.
Moderne Ästhetik in Einheit mit tadelloser Akustik: Das
THX-Set ohne Kompromisse
Mehrkanal-Lautsprechersysteme Obere Mittelklasse
Test: 15. Juli 2010
+ Enorm pegelfest
+ Hervorragender Klang auch im akustisch nicht angepassten Raum
+ Exzellente Räumlichkeit und Homogenität
+ Perfekte Harmonie mit den Subs
+ Tadellose Grobdynamik
+ Tiefgang der beiden Subs
+ Hervorragende Loslösung von den Komponenten
Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
15. Juli 2010