TEST: Sony STR-DN610 7.1 AV-Receiver - Elegantes Auftreten und HDMI 1.4
zum Einstiegspreis?
30.07.2010 (phk)
Einführung
Der STR-DN610 aus Sonys neuem Lineup ist schon für unter 300 Euro
erhältlich, für den Preis bietet das kleine Kraftpaket 7 Endstufen à 100
Watt, 3 HDMI 1.4 Eingänge mit 1080p/24 Pass-Through und HDMI-Upscaling.
Zurücktreten muss der geneigte Kunde bei der Dekodierung von DTS-HD und Dolby
TrueHD, PCM-Wiedergabe bis zu 96/24 ist aber problemlos möglich, auch Dolby Pro
Logic IIx und Neo:6 sind natürlich mit an Bord. Der Sony STR-DN610 ist in
puncto Design perfekt auf die neuen Blu-ray Player abgestimmt, Fans eines
schlichten und zugleich edlen Auftretens ihrer HiFi-Kette werden so auch im
niedrigen Preissegment bedient. Ob der kleinste Vertreter im 7.1 - Kanal
Repertoire eine solide Performance an den Tag legt, lesen Sie hier.
Verarbeitung
Solide Abdeckung
Lautstärkedrehregler und Eingangswahl am Gerät
Front links bei geschlossener Klappe
AV-Eingang & Einmessmikro
Anschlüsse Rückseite
Detail Rückseite
Innenleben
D.C.A.C. Mikrofon
Fernbedienung
Video Innen
Wie schon in der Einführung erwähnt erweckt der STR-DN610
einen schicken Eindruck, die Front ist in schlichtem Schwarz gehalten und passt
sich perfekt der Linie der neuen Blu-ray Player an. Der Lautstärkeregler an der
Frontseite ist, wie schon beim DN1000, nur mit etwas Krauftaufwand zu bewegen,
unser Modell verfügt über eine nicht ganz tadellose Führung und eiert leicht.
Der Input-Selector, ein Druckknopf neben dem Volume-Regler, ist sehr gut
eingepasst und im Druckpunkt nicht zu schwammig. Öffnet man die untere Klappe
finden sich weitere Bedienelemente, die ebenso sauber im Druckpunkt und mit
gutem Abstand versehen sind. AV-In und der große Kopfhöreranschluss lassen
sich nicht verschieben und sind exzellent eingepasst. Ebenso die Anschlüsse auf
der Rückseite sind kaum zu bemängeln, eine Komplettausstattung mit
Schraubanschlüssen ist zwar wünschenswert, aber in der Preisklasse nicht zu
erwarten. Das Segment-Display ist nicht das größte, aber gut abzulesen.
Öffnet man den nicht allzu massiven Gehäusedeckel sieht man ein
übersichtliches Innenleben, der große passive Kühlkörper plus Kamineffekt
verspricht eine nicht zu hohe Hitzeentwicklung. Ob uns die Elkos mit 6800 Myfarad genügend Kraftreserven bieten, wird sich später zeigen. Die
Gerätestandfüße vorne sind aus Plastik und sehr groß dimensioniert, auf der
Rückseite ist entsprechend das Gehäuse als Fuß erweitert und ebenfalls mit
Gumminoppen versehen. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet.
Bezüglich des geringen Preises eine ausgezeichnete Anschlussbestückung, mit
den 3 Komponenteneingängen und einem FBAS-Ausgang setzt der Sony sich in diesem
Preissegment sogar noch etwas in die oberen Regionen ab. Ein DMP für Anschluss
eines iPod-Docks ist auch vorhanden. Etwas simple Schraubanschlüsse sind nur
für die Front-Lautsprecher vorhanden, die übrigen Surround-Komponenten müssen
mit Klemmanschlüssen auskommen. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse:
Ausgezeichnet-Hervorragend.
Konfiguration, Setup und Bedienung
Der STR-DN610 verfügt über kein On-Screen-Display. Jegliche Einstellungen
müssen mit der FB über das frontale Segment-Display vorgenommen werden.
Einstellungen (Taste AMP Menü auf der FB):
Segment-Display
A. Cal: Sonys DCAC, automatisches Einmesssystem
Level: Einstellung des Pegels in 0,5 dB Schritten für alle Komponenten,
mit Testton, Einstellung Dynamic Range Compression Off/Standard
Speaker: Pattern Stereo - 7.1, Abstand in 10cm Schritten und Größe
Surround: DSP wählen, Beispiel DD PL IIx - Neo 6 - Hall - etc
EQ: Bass/Treble
Tuner: AM/FM Mode wählen
Audio: A/V Sync, Audio Assign, Night Mode
Video: Video Assign
HDMI: HDMI CEC an/aus, Pass-Through an/aus = Durchschleifen des
Video-Signals im Standby-Modus, Audio Out AMP/TV+AMP,
System: Dimmer, Sleep, Auto Standby, Eingang benennen
Fazit Bedienung:
Die Bedienung über das Segment-Displays des STR-DN610 ist schon etwas
fieselig. Letztendlich gelangt wohl auch der weniger versierte User irgendwann
ans Ziel, partiell ist aber mit etwas umständlichen Vorgängen zu rechnen. Die
Anzeigedauer ist für unseren Geschmack auch etwas kurz, schon nach wenigen
Sekunden verabschiedet sich der Amp aus dem Menü und zeigt wieder den
gewählten Eingang an. Das Menü ist nur in englischer Sprache verfügbar. Das
DCAC arbeitet nicht mehr ganz so blitzschnell wie noch im STR-DN1000. Unserer
Meinung nach gereicht dies aber nur zum Vorteil des Geräts: Das System arbeitet
zuverlässiger und greift auch weniger negativ ins Klanggeschehen ein,
mitterweile ist es bei schlechten Räumlichkeiten durchaus vorteilhaft
einzusetzen. Die manuelle Anpassung der Parameter ist für die Preisklasse
ausgezeichnet. Durchschleifen von 1080p/24-Signalen, auch 3D, funktioniert
problemlos. Dies gilt bei aktiviertem Pass-Through auch im Standby-Modus, etwa
30 Watt werden dafür aber beansprucht. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Sehr gut.
Harry Potter und der Orden des Phoenix, Kapitel 29
Die Stimme Voldemorts kommt etwas zurückhaltender als gewöhnlich, trotzdem
mit räumlichem Hall und charakteristischer Schärfe. Das Floo-Network Geräusch
als Albus Dumbledore erscheint, und Bellatrix verschwindet, wirkt authentisch.
Kurz darauf beginnt das Duell zwischen Albus und dem dunklen Lord, die Blitze
feuern schlichtweg im ganzen Raum umher. Unterstützt durch die exzellente
Homogenität unserer beiden Lautsprechersysteme schafft der STR-DN610 eine sehr
weite und räumliche Bühne. Auch der aufsteigende Feuerdrache gefällt uns sehr
gut, die Übergänge zwischen den Satelliten und dem Sub gelingen sehr gut. Als
Dumbledore Voldemort in der Wassermasse gefangen hält vermissen wir etwas das
hintergründige Bassfundament. Die zersplitternden Spiegel wirken dann aber
wieder nicht zu spitz und wieder sehr räumlich.
Mozart - Le Nozze di Figaro, Kapitel 1+2
Die ersten Sekunden gelingem dem Sony sehr authentisch, das Klatschgeräusch
wirkt angenehm und nicht zu spitz. Auch die folgenden Streicher empfinden wir
überraschend positiv. Bei den fixen Geschwindigkeitsveränderungen packt der
STR-DN610 schnell zu und begeistert mit Dynamiksprüngen. Den letzten
Feinschliff in der Instrumentaltrennung können wir dem Sony nicht attestieren,
dennoch wirkt er nicht überfordert und meistert das anspruchsvolle Ensemble mit
schwungvollem Charisma. Die Stimmwiedergabe gefällt uns sogar bei diesem
Testsample, ein angenehm weicher Sopran Anna Netrebkos verliert nur minimal an
Feingeistigkeit. Auch der männliche Part wird mit Charakteristik wiedergegeben,
der Sony aus dem günstigen Preissegment ist selbst bei dieser anspruchsvollen
Aufgabe einsetzbar.
Klang herkömmliche Tonformate DVD
Star Wars Episode III, Die Rache der Sith, Kapitel 1
Als wir den Pegel während des THX-Trailers in DD noch vor Filmbeginn etwas
nach oben treiben sind wir von Kraft und Räumlichkeit des kleinen STR-DN610
richtig begeistert. Das erste Kapitel startet und eine weite Bühne eröffnet
sich dem Hörer, einen leicht blechernen Einschlag kann der Sony nicht ganz
verstecken. Grobdynamik gefällt uns sehr gut, als die Paukenschläge beginnen
zeigt sich der Sony schwungvoll und schnell mit guter LFE-Anspielung. Die letzte
Feindynamik in der Tiefbassausprägung lässt sich an den Turbinen der beiden
Raumjäger nicht erkennen, das wäre aber auch zuviel verlangt. Nach dem
Überflug über Coruscant beginnt das Kampfgeschehen und viele Explosionen, hier
zeigt sich der vorher angesprochene blecherne Einschlag am deutlichsten. Die
Explosionen werden bei höherem Pegel zu spitz und wirken aggressiver als
vorgesehen. Die Stimmwiedergabe der verschiedenen Piloten kann aber wieder
punkten und ist von charakteristischem Charme geprägt. Die Räumlichkeit
begeistert, Frequenzübergänge gelingen nahtlos.
Stereo
Disco Nation - Kick da Disco Nation, LA Style - James Brown is Dead, Vivaldi
- Vier Jahreszeiten
Selbst bei Zuführung von Stereomaterial schlägt sich der STR-DN610 nicht
schlecht. Schwung- und kraftvoll geht er mit den Elektronik-Klängen von Kick da
Disco Nation um, lediglich bei überzogenem Pegel gleiten die Höhen-Peaks in zu
aggressive Sphären ab. Die Stimme bleibt aber sauber und unberührt von
negativen Einflüßen. Schalten wir bei "James Brown is Dead" Pro
Logic II Music zu sehen wir keinen Einbruch des kleinen Kraftpakets. Sicher
scheint der etwas blecherne Einschlag immer wieder durch, prägt sich aber nie
extrem aus und verfälscht das gesamte Klangbild. Die LFE-Einspielung bleibt
solide, grobes Nachschwingen oder gar falsches Delay können wir nicht erkennen.
Bei den feingeistigeren Violinklängen der Vier Jahreszeiten bleiben wir ohnehin
auf gemäßigtem Pegel bei angenehmen warmen Höhen. Hier gefällt uns wieder
das nahtlose Zusammenspiel Front-Subwoofer sehr gut. Höchste Ansprüche im
Mitten- und Hochtonbereich werden in dieser Preisklasse nicht erfüllt.
Fazit Klang
In Bezug auf das sehr günstige Preissegment des STR-DN610 wird eine
erstklassige Performance geliefert. Bestnoten in Räumlichkeit, Geschwindigkeit
und Kraft werden nur durch leichte Abstriche in den oberen Mitten und der
Feingeistigkeit abgeschwächt. Selbst im Stereobetrieb kann der Sony bei nicht
allzu hohen Ansprüchen genügen. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse:
Hervorragend.
Konkurrenzvergleich
Onkyo TX-SR308: Der Onkyo ist eine
schwere Hürde für den DN610, trotzdem gestaltet sich der direkte Vergleich
beinahe als Patt. Zum fast identischen Preis sind die beiden Receiver
erhältlich, der Onkyo bringt ein On-Screen-Display und schon Dekodierung
der HD-Tonformate mit sich. Der Sony hingegen verfügt über zwei Endstufen
mehr und hat das automatische Einmesssystem D.C.A.C integriert. Eine
Videoverarbeitung kennt keiner der beiden Receiver.
Denon AVR-1611: Für den Denon müssen
geneigte Käufer etwa 100 Euro mehr auf den Tisch legen. Zwar ist wie der
Onkyo auch dieser Japaner nur mit 5 Endstufen versehen, aber auch er kann im
Gegensatz zum Sony Dolby TrueHD und DTS-HD Master dekodieren und besitzt
schon ein OSD. Das im 1611 integrierte Audyssey Einmesssystem arbeitet
genauer und ist aufwändiger gestaltet als D.C.A.C. Gerade im Stereobetrieb
klingt der Denon etwas feingeistiger und liegt hier vorne. Bezüglich des
Preises ist der Sony mit 7 Endstufen unschlagbar.
Fazit
Der günstige Einstiegsreceiver STR-DN610 von Sony lässt sich
hervorragend mit einem BDP-S370/470 und 570 kombinieren. In der modernen
Wohnzimmerumgebung zeichnen sich die AV-Geräte durch ihren edlen Auftritt im
schwarzen, schlichten Hochglanzgewand aus, ein wenig häusliche Pflege wie
Staubwischen vorausgesetzt. Nicht nur Ästheten kommen auf ihre Kosten, für
etwa 280 Euro Marktpreis ist auch ein satter Surround- und Stereosound zu haben.
Mit sieben Endstufen bietet das kleine Kraftpaket solide Dynamik und eine sehr
ausgeprägte Räumlichkeit. Leider werden die HD-Tonformate Dolby TrueHD und
DTS-HD noch nicht vom STR-DN610 dekodiert, auch ein On-Screen-Display hätte uns
sehr gut gefallen. Sonys hausinternes Einmesssystem hat gegenüber dem letzten
Jahr einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht und arbeitet etwas
gewissenhafter mit weitaus besserer Anpassung im Hochtonbereich.
7.1 Kanal-Receiver in edlem Gewand mit ausgezeichneten
Klang-Eigenschaften bei Musik und Film
AV-Receiver Einsteiger
Test 30.07.2010