TEST: Klipsch Reference MkII Aktivsubwoofer SW-115 - Kraftwerk für 799 EUR
Straßenpreis
14.05.2012 (sw/cr)

799 EUR für 400 Watt Dauerleistung, BASH Digital
Hybrid-Endstufe, satte 31,3 kg Gewicht und großen 38 cm Treiber

Fiberglastreiber mit 38 cm Durchmesser

Anschlüsse und Einstellmöglichkeiten
Einführung
Für einen Marktpreis von 799 EUR gibt es bei Klipsch den
Bass-Boliden SW-115, ehemals 1200 EUR laut UVP kostend, mit 400 Watt
Dauerleistung und bis zu 800 Watt kurzzeitiger Spitzenleistung - dank der BASH
Digital-Hybridendstufe. Der Bsssreflexwoofer schafft einen maximalen Schalldruck
von 121 dB @ 30 Hz und schafft laut Hersteller einen Frequenzgang von 18 bis 150
Hz bei +/- 3 dB. Er wiegt satte 31,3 kg und ist 50,2 cm hoch, 61,2 cm breit und
61 cm tief. Für eine kraftvolle Basswiedergabe sorgt das 38,1 cm Chassis. Hoch-
und Niederpegeleingänge finden sich ebenso wie Regler für Lautstärke,
Tiefpassfilter und Phasenumkehr (nur Umschaltung 0 oder 180 Grad) auf der
Rückseite. Auch ein Automatikmodus, in dem sich der aktive Subwoofer beim
Anliegen eines Signals automatisch aktiviert, ist vorhanden. Lieferbar ist der
Bassist ausschließlich in schlichtem Schwarz.
Verarbeitung und Anschlüsse

Rückseite im Überblick

Rückseitiges Anschlussfeld im Detail

Bassreflexöffnung vorne

Recht einfach gehaltenes Abdeckgitter, hier im Detail

Innenleben in der Übersicht

Übersichtlicher Aufbau

Elkos

Platinenlayout

Verkabelung
Der SW115 sieht eher nüchtern aus - Schnickschnack war noch nie
Klipsch-typisch, und modische Trends tangieren den US-Boxenbauer auch höchstens
am alleräußersten Rand. Billig wirkt der große Bassist aber trotzdem nicht,
dies belegen die gerundeten Kanten, die keinerlei Verletzungsgefahr bergen, und
der ordentliche Innenaufbau mit übersichtlicher Verkabelung und sauberem
Platinenlayout. Die Oberfläche des SW-115 ist relativ resistent gegenüber
Kratzern - sie ist nicht hochglänzend, sondern matt und erzeugt somit auch im
Heimkinoraum keine Reflexionen. Das Anschluss- und Bedienfeld auf der Rückseite
ist stabil verschraubt.
Testequipment
Klang
Zunächst beginnen wir die Testreihen mit verschiedenen Tracks
von CD, die wir in 2.1 Konfiguration in Stereo hören: Beim Song
"Rocket" von Goldfrapp, bei uns im Remix von Tiesto, legt sich der
SW-117 gleich enorm ins Zeug und beeindruckt vor allem mit großartiger
Impulstreue und enormer Härte im Bass. Nachschwingen ist trotz des großen 38
cm Chassis nicht zu vernehmen. Enorm nachdrücklich, aber sich nicht unangenehm
in den Vordergrund stellend, geht der Klipsch-Woofer seiner Arbeit nach. Große
Pegel - kein Problem, auch den über 30 Quadratmeter messenden Hörraum
beschallt der Sub souverän. Eine nicht allzu leichte Probe stellt "Fire
Wire" (Club-Mix vom Album "Rhythm&Drums" dar. Der Kickbass
ist aber keine Hürde für den Klipsch-Subwoofer, er drückt ihn in den
Hörraum, dass es die Zuhörer noch in der Magengrube spüren. Uns beeindruckt
die satte, aber gleichzeitig neutrale Spielweise des Klipsch-Bassisten. Weiche
Aufhängung? Bass-Nachzieher? Der SW-115 kennt solche störenden Beeinflussungen
offensichtlich nur vom Hörensagen.
Bei "Crockett's Theme" (Jam Hammer Project featuring
TQ) ist die neutrale, nicht aufdickende Auslegung des SW-115 erneut sehr gut zu
hören. Mancher wird sich wundern, dass der Bass nicht spektakulärer ist -
Hintergrund: Viele gebräuchliche Subwoofer möchten fehlenden Tiefgang und
fehlende Härte sowie Klarheit im Bassbereich durch ein aufgedicktes Voumen zu
kompensieren - das mag dem ein oder anderen zwar imposant vorkommen, aus
akustischer Sicht ist diese Auslegung aber nicht korrekt. Nachteile: Echter
Tiefgang wird kaum geboten, die Membran ist oft weich aufhangen, was
Schnelligkeit und Präzision schadet, und die Pegelfestigkeit ist als Folge auch
nicht enorm hoch, schneller schlägt die Membran an. Wie man es aus Sicht des
erfahrenen Hörer richtig macht, zeigt uns der SW-115: Ein subtil spürbarer,
glaubwürdiger Tiefgang, kein Nachschwingen, toller Aufbau. Bei "The
Howling" von Within Temptation überzeugt uns der Subwoofer wiederum mit
einer Schnelligkeit und der sauberen Strukturierung des Bassbereiches.
Nun stand unsere bewährte Tiesto-Blu-ray "Elements Of Life
- Copenhagen" auf dem Testprogramm. Wir verwenden hier die 2. BD aus dem
2er Disc-Set und starten mit "Back In Your Head". Hier muss ein guter
Subwoofer die verschiedenen Bassanteile sauber auseinander halten können und
einen kraftvollen sowie präzisen Bass aufbauen - diese Mission gelingt dem
SW-115 hervorragend. Hart kommt der Kickbass heraus, und der darunter liegende
Bass drückt impulstreu mit. Der Klipsch-Bassist schiebt sich aber nie zu stark
in den Vordergrund, dass andere akustische Effekte oder vokale Anteile zu
deutlich in den Hintergrund gestellt werden. Auch bei "In The Dark"
gibt der SW-115 zu verstehen, dass man ihn auch als preisgünstigen aktiven
Subwoofer für hohe klangliche Ansprüche sehen und daher nicht nur ernst nehmen
kann, sondern erst nehmen sollte. Der Bass strahlt fundierte Kraft und tadellose
Präzision aus und punktet mit der gleichmäßigen räumlichen
Ausbreitung.
Bei "Star Wars Episode III" stellt der
Klipsch-Subwoofer gleich zu Beginn den durch den Bildschirm fliegenden
Sternzerstörer hervorragend dar, mit Tiefgang, Präzision und unbändiger Kraft
- er schlägt, bedingt durch die Aufhängung, auch bei großem Pegel nicht an
und offeriert ein enorm räumliches, echtes und dichtes Fundament. Die auf diese
kurze Sequenz folgende Raumschlacht scheint dem großvolumigen Bass-Experten
offensichtlich viel Freude zu bereiten, denn er hat keinerlei Probleme damit,
auch verschiedene, parallel stattfindende Ereignisse im tieffrequenten Bereich
korrekt zu erfassen. Die zahlreichen Explosionen ertönen mit Struktur und
Wucht. Auch das 22. Kapitel von "Avatar", als die auf dem Planeten
Pandora stationierten Söldner mit Hightech-Fluggeräten die Eingeborenen
angreifen, ist eine Paradeszene, um die Güte des SW-115 überzeugend
heraus stellen zu können. Das Donnern der Rotoren stellt der
Klipsch-Basslautsprecher sehr vehement dar, der Raketenabschuss mit den
folgenden Explosionen bringt den Hörraum zum Beben. Enorm tiefe Bassanteile
holt der SW-115 beinahe alle aus der Tonspur heraus, so dass der erfahrene
Heimkinoanwender begeistert sein wird. Der Bass ist immer trocken und solide -
der Klipsch schlägt auch bei sehr hohem Pegel höchstens einmal kurz an und
bleibt enorm lange souverän.
Verglichen mit dem Jamo Aktivsubwoofer SUB
660 für 650 EUR tritt der Klipsch SW-115 noch neutraler auf, der Tiefgang
präsentiert sich als noch ausgeprägter. Der Jamo aber ist sogar nochmals eine
Idee pegelfester und für uns nach wie vor in bezahlbaren Preisklassen der
Hammer. Hörer, die eine Hi-Fi-gemäße Klangcharakteristik wünschen, fühlen
sich aber beim Klipsch wohler. Der Yamaha
Soavo-900SW spielt sehr präzise und hat eine tolle Ausstattung - der
Klipsch offeriert noch etwas mehr Tiefgang und Pegelfestigkeit. Der Quadral Sub
88 DV Aktiv kommt auf 499 EUR und ist sehr kompakt, zudem gefällt die
ungemein angenehme, homogene Auslegung. Natürlich zieht er bedingt durch
Preisklasse und Abmessungen bei Pegelfestigkeit und Tiefgang im Vergleich zum
SW-115 den Kürzeren.
Fazit

Der Klipsch Reference MkII SW-115 beeindruckt durch seine
souveräne und authentische Spielweise. Nie dickt er den Bassbereich
unnatürlich auf - stets stellt er auch verschiedene, parallel stattfindende
tieffrequente Ereignisse glaubwürdig und mit hervorragendem Tiefgang dar. Durch
die hohe Pegelfestigkeit eignet sich der solide konstruierte Bass-Experte auch
für Hörräume bis gut 40 Quadratmeter. Der Marktpreis für das ausdrucksstarke
Bass-Paket fällt sehr günstig aus.
Authentisch und kraftvoll aufspielender aktiver Subwoofer mit
erstklassigem Tiefgang und sehr hoher Pegelfestigkeit

Aktiver Subwoofer Obere Mittelklasse
Test 14. Mai 2012
+ Extrem Pegelfest
+ Hervorragender Tiefgang
+ Enorme Impulstreue
+ Für Räume bis gut 40 Quadratmeter geeignet
+ Solide Konstruktion
- Keine optische Noblesse
- Keine Fernbedienung
Text: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 14.05.2012
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