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Kommentar: persönliche Eindrücke der AV-Entwicklungen im Jahr 2009


Dieser Artikel wurde auf PCs von Origen-AE verfasst.

(1. Januar 2010 - Autor: Lars Mette )

Allgemein betrachtet, wird das Jahr 2009 hauptsächlich durch Themen wie die Abwrackprämie, Michael Jackson's plötzlichem Ableben oder der oft zitierten Finanzkrise in Erinnerung bleiben. Mit der nachfolgenden Auflistung möchte ich die zurückliegenden 12 Monate jedoch speziell hinsichtlich den Entwicklungen in der Audio-/Video Heimunterhaltungsbranche Revue passieren lassen und dabei auch meine persönlichen Eindrücke als Konsument sowie Film- und Musikliebhaber einbringen. 


Hochwertige Wohnraumintegrationen wie unsere Installation auf Basis dieses
Spectral-Racks mit eingebauten Canton-Lautsprechern
werden immer begehrter.

- Marktentwicklung

Ähnlich wie die Automobilindustrie unterlag auch die AV-Branche vielen neuen Impulsen: HD-Medien bzw. Inhalte werden nicht mehr nur von einer kleinen Schar bildbegeisterter Technikfreaks konsumiert, große Full-HD Flachbildfernseher stellen längst kein elitäres Luxusobjekt mehr dar und haben die Wohnzimmer der Republik im Sturm erobert, während sich gleichzeitig auch die Medienlandschaft und deren Nutzung (beispielhafte Stichwörter: Youtube, Internetradio, Mediendatenbanken, Multiroom etc.) stark geändert haben. Eine typische Heimanlage musste im Jahr 2009 nicht nur durch Vielseitigkeit und Wohnraumfreundlichkeit überzeugen, sondern darüberhinaus auch noch billig sein. In Bezug auf den Massenmarkt tobt(e) ein harter Preiskampf, deren Verlierer sich vorwiegend im typischen Fachhandel sowie Hersteller mit Schwerpunkt auf Geräte der oberen Mittelklasse gefunden haben. Bekanntermaßen gibt es jedoch keinen Trend ohne Gegenbewegung, denn interessanterweise verzeichneten klassische Stereokomponenten ebenfalls große Zuwächse in der Käufergunst, so dass sich eine Tendenz zur Teilung des Marktes in günstige, vollausgestattete Wohnzimmerkinos, sowie puristischer und langlebiger Zweikanalinstallationen erkennen lässt. Kompromisslose Heimkinos im Partykeller mit mannshohen Subwoofern und 7 Lautsprechern haben im Jahr 2009 zwar sicherlich nichts von ihrem Reiz verloren, fristen aber in Relation zum wohnraumorientierten Massenmarkt zunehmend ein Schattendasein und werden hauptsächlich von einer kleinen Schar, ambitionierter Filmliebhaber betrieben. Interessanterweise setzte jene Clientel im abgelaufenen Jahr hierfür mehr denn jemals zuvor auf In-Wall Lösungen, so dass die altehrwürdigen THX Ultra² Systeme Marktanteile abgeben mussten.


Bananenware: manche AV-Komponenten sind 2009 so fehleranfällig wie nie zuvor gewesen
und zwingen Kunden inzwischen teilweise zu Firmwareupdates in bester PC-Manier.

- Das Ärgnis des Jahres

Der "Chiquita-Faktor" führt meine persönlichen Flops aus dem Jahr 2009 mit großem Vorsprung an. Was in den letzten 12 Monaten an offensichtlicher "Bananenware" durch den Handel ging, ist mittlerweile nicht mehr "nur" ein bloßes Ärgernis für die Kunden, sondern gefährdet mittlerweile sogar Teilbereiche der Branche. Leider muss ich dafür nicht mal vor die Tür treten, sondern kann aus eigener Erfahrung berichten: während man morgens schluftrunken durchs Haus läuft und sich vom AV-Receiver mittels Internetradio ein wenig berieseln lassen möchte, weigert sich das Gerät eine IP-Adresse anzunehmen und lässt sich erst nach einem Kaltstart zum Arbeiten überreden. Dass dadurch der gewünschte Sender noch einmal manuell angewählt werden muss, weil die Quick-Select Tasten dazu nicht in der Lage sind, rundet den ergonomischen Fehlstart in den Tag gekonnt ab. Sofern kein unerklärlicher Abbruch für ein abruptes Ende des Streamings sorgt, darf ich mich anschließend sogar über einen halbwegs stabil übertragenen Podcast erfreuen. Doch die Freude währt nur kurz, da ich leider die unheilvolle Entscheidung getroffen habe, im Zuge eines Lautsprechertests im Teststudio auf das Medium Blu-Ray zu wechseln. Nach einer Einlesezeit, bei denen unsere Vorfahren wahrscheinlich ein halbes Dutzend Schallplatten blind hätten wechseln können, erbarmt sich der 5.000 Euro 20 Kilo Koloss, die Sprachauswahl des Hauptmenüs zu zeigen, bevor er mich dann anschließend wieder für bis zu 2 Minuten vor der leeren Leinwand verharren lässt. Die audiovisuelle Performance beim anschließenden Filmgenuss würde diese gerätegattungsspezifischen Eigenschaften zwar wieder aufwiegen, wenn ich nicht das Pech gehabt hätte, mal wieder eine Blu-Ray aus dem Regal zu ziehen, bei dem der Player Aussetzer produziert. Der nächste Titel läuft dann auch tatsächlich problemlos, bis sich ein braun gekleideter UPS-Zusteller an der Haustür bemerkbar macht und mich zu einer kleinen Unterbrechung nötigt. Das Wiedersehen scheint beim Blu-Ray Player von keiner großen Freude zu sein, weil er sich zwischenzeitlich im Pause-Modus aufgehängt hat und nur durch Ziehen am Netzstecker zu reanimieren war. Aber ich bin ja überhaupt schon dankbar, dass nach dem Neustart alles überhaupt sofort läuft, weil manchmal ein HDMI-Kleinkrieg zwischen Player und Projektor tobt, was im Notabschalten der teuren UHP-Lampe endet. Diverse Reperaturversuche sorgten neben Wartezeiten und Umsatzzuwächsen bei UPS & Co. auch noch zu der Erkenntnis, dass selbst manche Hersteller mit der Kompatibilität ihrer eigenen Produkten überfordert sind. Bei einer Reklamation in Hinblick auf Probleme durch große Dynamiksprünge und der damit einhergehenden Belastung, bestand die erste Aussage des betroffenen Herstellers: "Die Leute, die sowas abmischen, haben doch Einen an der Klatsche" (O-Ton). Weitere Brennpunkte, wie lautstark brummende Netzteile, störrische Leinwände und unzuverlässige Drahtlosverbindungen, überspringe ich an dieser Stelle einfach mal galant, damit dieser Jahresrückblick nicht vollkommen vom "Chiquita-Faktor" dominiert wird. Dass meine Erfahrungen leider kein Einzelfall darstellen, zeigt ein Blick in die hiesige Forenlandschaft: wo vor ein paar Jahren meistens noch über unzureichende Bass-Managements oder Schnittstellenarmut sinniert wurde, standen heuer sehr viele Threads über Abstürze, Bugs, Updateproblematiken sowie Kompatibilitätsprobleme auf der Tagesordnung. Fast wünscht man sich in die Zeit zurück, wo einzig der berüchtigte "Chroma-Bug" sein Unwesen trieb und ansonsten weitesgehend Zufriedenheit herrschte. Technischer Fortschritt ist zweifellos sehr zu begrüßen, darf jedoch keinesfalls auf Kosten der Alltagstauglichkeit und Zuverlässigkeit gehen. Hier müssen Hersteller, Handel und Presse gleichermaßen sensibilisiert werden, damit der zunehmende Wettbewerb bzw. Preisdruck über unzufriedene Kunden keinen Bumerangeffekt mit unbremsbarer Eigendynamik auslöst !


Die Blu-Ray mit ihrer überlegenen Speicherkapazität wird dank massiver Preisreduktionen vom
Markt gut angenommen, während die Vormachtstellung der DVD nach wie vor ungefährdet ist.

- Blu-Ray Entwicklung: viel Licht, wenig Schatten

Bei Betrachtung der Medienlandschaft in Bezug auf die Entwicklung der Blu-Ray scheinen die guten Prognosen sogar noch übertroffen worden zu sein. Nachdem im Jahr 2008 weltweit rund 36 Millionen Blu-Rays über die Ladentische gegangen sind, dürfte 2009 laut Brancheninsidern die 150 Millionen Marke geknackt worden sein. Alleine in Deutschland konnte man laut Oliver Trettin vom Bundesverband Audiovisuelle Medien (BVV), gegenüber den 1,7 Millionen Exemplaren aus 2008, bereits Anfang Dezember über 5 Millionen Verkäufe entgegenhalten. Am Jahresende könnten sogar noch über 6 Millionen erreicht worden sein, was dann fast einer Vervierfachung gegenüber dem Vorjahr entsprechen würde. Gleichzeitig darf man aber nicht außer Acht lassen, dass sich die DVD beharrlich am Markt hält und mit stabilen Verkaufszahlen aufwartet. In den ersten neun Monaten 2009 lag der weltweite Anteil von Blu-Ray Verkäufen bei 11,5 Prozent, wobei man sich durch den Wettbewerb im Weihnachtsgeschäft eine kurzzeitige Steigerung auf 20 bis 30 Prozent erhofft (Quelle: Tom Adams, Präsident Adams Media Research). Bis die Blu-Ray mit 60 Prozent Marktanteil eine dominante Rolle übernehmen wird, könnte es laut einer Studie vom Marktforschungsunternehmen SNL Kagan noch bis 2014 dauern, zumal spätestens 2017 mit einem breitflächigem harten Kampf gegenüber Video on Demand Plattformen zu rechnen ist. 

In inhaltlich/technischer Sicht, durften sich Filmliebhaber über viele Aspekte freuen: die Zeitfenster zwischen Kino-Premiere und Blu-Ray Veröffentlichung pendelten sich selbst bei Blockbustern bei deutlich unter 5 Monaten ein (zB. "Harry Potter und der Halblutprinz" Kinostart:16.Juli // Blu-Ray VÖ: 20.Nov), außerdem konnten fast alle Titel auch in technischer Hinsicht überzeugen. Speziell in Bezug auf die Bildqualität muss man negative Ausreißer mit der Lupe suchen. Pikanterweise schmückten sich restaurierte Filmklassiker sogar häufig in einem besseren Gewand, als neuzeitliche Produktionen. Daher durfte man sich im Jahr 2009 nicht wundern, wenn Bond-Veteran Sean Connery auf der Suche nach Goldfinger eine bessere (visuelle) Figur abgibt, als Pierce Brosnan beim neuzeitlichen Duell mit Elektra King. Wir sind gespannt, ob Hollywood im nächsten Jahr weiterhin so verstärkt auf Visual Grading setzt, um den Filmen einen individuellen Look zu verleihen, während sich viele Filmliebhaber nach einer natürlichen Bildwiedergabe ohne Farbfilter und Weichzeichner sehnen. 

Die erneut stark gesunkenen Verkaufspreise für Blu-Rays erweisen sich als zweischneidiges Schwert: sicherlich kann der Massenmarkt nicht mit 30 Euro Titeln adressiert werden, doch bei Dumpingpreisen jenseits der 15 Euro läuft die Industrie wiederrum Gefahr, sich nur über inflatiöse Massenproduktion halbwegs über Wasser halten zu können, um Kosten wie zB. durch die unsägliche neue FSK-Kennzeichnungspflicht aufzufangen. Die Folge sind vereinheitlichte Europa-Pressungen, bei denen meist nur die englischen Originaltonspuren in HD-Qualität verliegen und der eigentliche High-Quality Anspruch der Blu-Ray ein Stück weit auf der Strecke bleibt. Die weitere Entwicklung in Bezug auf Ausstattung und Qualität wird maßgeblich von der Positionierung der Blu-Ray abhängig sein, die hoffentlich noch viele Jahre vor sich hat, ehe sie als 5-Euro Produkt in der Wühlkiste zu finden ist. Zeitlose Filmklassiker wie Titanic, Ben Hur oder die Star Wars Trilogie sollten mit größtmöglicher Hingabe und Perfektionismus hochauflösend verewigt werden. Hoffentlich gelingt es den Herr-der-Ringe Umsetzungen bei weiten Teilen der Gesellschaft, ein Qualitäts- und Genussempfinden offenzulegen, welches sich nicht nur auf die größere Bildschärfe mit einem x-beliebigem Full-HD Fernseher beschränkt. Unsere Branche lebt von der emotionalen Faszination, die durch bestmögliche technische Umsetzung erreicht wird. Deswegen darf man nicht den Fehler machen, und die Blu-Ray vorwiegend über den Preis an den Mann bringen zu wollen. 


Moderne AV-Receiver verstehen sich mittlerweile als übergreifende Kommando- und Operationszentrale
für alle Belange der Heimunterhaltung. Schon ab der 1.000 Euro Klasse darf sich der geneigte Kunde
über eine Funktionsvielfalt freuen, die an Vielseitigkeit kaum noch Wünsche offenlässt.

- Wettbewerb und Weiterentwicklung von AV-Komponenten

Dass besonders AV-Receiver Jahr für Jahr immer mehr Features und Ausstattung mitbringen, ist genauso wenig ein 2009-spezifischer Trend, wie die damit einhergehenden Probleme. Einerseits bekommt der Kunde mehr für sein Geld, doch andererseits bezahlt man eigentlich auch oft Sachen mit, die gar nicht benötigt werden. Diesbezüglich wäre es sehr zu begrüßen, wenn in der Zukunft eine breitere Streuung von AV-Komponenten stattfinden würde. Anstelle von dutzenden Komponenten, die im Gleichschritt mit der jeweils neuesten Raumeinmessung oder VPU marschieren, wäre doch zB. eine Vorstufe mit Fokussierung auf professionelle Klangeinstellungen (zB. Kanaleinpegelung mit 0,1db Schritten, oder besonders zeitrichtig arbeitende Equalizer, sowie komplexe Multi-Subwoofer Konfigurationen) eine wahre Bereicherung für bestimmte Käuferschichten. Ein ebenfalls wünschenswerter Trend für 2010 sind strukturierte Produktkonzepte, bei dem man passende Ergänzungskomponenten zum AV-Verstärker wie Tuner, CD- und/oder Blu-Ray Player im exakt passenden Design bekommt. Aktuell weisen die Produktsortimente vieler Anbieter diesbezüglich noch große Lücken auf. Von diesen Kritikpunkten abgesehen, muss man natürlich auch festhalten, dass der Kunde im abgelaufenen Jahr mehr Hardware denn je für sein Geld bekommen hat. Der Wettbewerb, Globalisierung und die zunehmende Markttransparenz führen zu einer Leistungssdichte auf hohem Niveau. Speziell im Bereich der Bildwiedergabegeräte macht sich der Fortschritt am deutlichsten bemerkbar, wo zum Beispiel die aktuelle Generation von Einstiegs LCD-Projektoren Bildeigenschaften liefert, für die man vor 3 Jahren teilweise noch fünfstellige Beträge investieren musste. Bei Flachbildschirmen gestaltet sich die Situation nicht anders, wobei hier mit besonders harten Bandagen um die Gunst der Käufer gekämpft wird. Spätestens wenn Otto Normalkunde einen 600 Hertz Fernseher mit LED Technik als grundsätzlich besser einstuft, wie das 200 Hertz LCD-Modell, ergibt sich eine groteske Situation, welche die extreme Zahlen- und Feature-Geilheit aufzeigt. Zu allem Überfluss unterliegt der TV-Verkauf außerdem noch den immer wahnwitziger gewordenen Shop-Einstellungen, mit denen die Panels auf maximale Prägnanz und Gefälligkeit getrimmt werden. Immerhin sind im Laufe des Jahres fast alle Hersteller dazu übergegangen, jenen Bildmodus für den Endanwender auf einfache Weise abschaltbar zu machen. Die Hardware im Jahr 2010 wird mit großer Sicherheit vom kommmenden 3D Standard geprägt werden, so dass wir uns auf spannende, innovative Produkte freuen können. Ob die verabschiedeten Änderungen in der HDMI-Numerologie für eine Vereinfachung sorgen, darf jedoch stark angezweifelt werden.


Unser redaktionsinternes Highlight 2009: neues Studio mit kompromissloser High-End Bestückung.

- neue Testräume braucht das Land

Bei einem Jahresrückblick dürfen natürlich auch die internen Veränderungen bei AREADVD nicht fehlen. Als großes Ereignis muss diesbezüglich die Perfektionierung unserer Testmöglichkeiten der Redaktion in Baden-Württemberg genannt werden. Durch einen Umzug in neue Räumlichkeiten steht uns nun unter anderem ein 50m² Studio zur Verfügung. Um bei unseren praxisnahen Berichten bestmögliche Bedingungen zur Ausschöpfung der audiovisuellen Performance von Testgeräten zu gewährleisten, haben wir einen außerordentlichen Aufwand betrieben: sieben keramik-/diamantbestückte Lautsprecher sorgen mit sechs Subwoofern für exquisite Schallwandlung, während sich im Hifi-Rack die besten Geräte jeglicher Coleur tummeln, die wir im Laufe der Zeit kennengelernt haben. Ein Full-HD 3-Chip DLP Projektor sorgt für bestechende Bilder auf einer vollmaskierbaren akustisch transparenten Cinemascope Leinwand. Wochenlanges Feintuning, professionell optimierte Raumakustik und farbkalibierte Bildeigenschaften sorgen dafür, dass sämtliche Komponenten zur Höchstform auflaufen. Dieses Setup hilft uns nicht nur beim Testen von Hard- und Software, sondern sorgt auch dafür, dass das Feuer der Begeisterung jeden Tag aufs Neue entfacht wird, die für unsere Arbeit wichtig ist. Trotz diverser Nicklichkeiten (Stichwort "Chiquita-Faktor") ist das völlige Eintauchen in Film und Musik jedesmal eine Wohltat für die Sinne und zeigt eindrucksvoll, dass hochwertige Heimkino/HiFi Installationen einen unnachahmlichen Intensitäts- und Erlebnisfaktor mitbringen können. Ich sehe unsere Aufgabe darin, Ihnen durch kompetente und praxisbezogene Berichterstattung zu einem ähnlichen Erlebnis zu verhelfen - und dafür werden wir auch 2010 besonders viel Engagement zeigen. 


Angesichts von über 200 TV-Programmen fällt die (deutsche) HDTV-Auswahl immer noch mager aus.

- HDTV Wüste Deutschland

Dass die HDTV Versorgung im deutschen Fernsehnetz eine indiskutable Blamage darstellt, weiß inzwischen wohl wirklich Jeder. Die aktuellen Planungen dokumentieren eindrucksvoll, wie schleppend das Thema HDTV angegangen wird: nach diversen partitiellen Showcases in den vergangenen 3 Jahren, ist mit Entzündung der olympischen Flamme in Vancouver (12. Februar 2010) der Regelbetrieb von HDTV Inhalten über Satellit von ARD und ZDF vorgesehen. Bis Kabelnutzer diesbezüglich gleichziehen können, werden vorraussichtlich noch 3 Jahre ins Land ziehen, während die dritten Programme momentan für eine Umstellung im Jahr 2015 eingeplant sind. Das Traurige ist, dass wir hier nicht einmal über richtiges FullHD in 1080p sprechen, sondern lediglich von 720p. Diese technische Mogelpackung ist eigentlich schon jetzt veraltet, so dass man hier von Anfang (schon wieder) auf das falsche Pferd setzt. Wenn die Menschheit in allen Aspekten eine derart geringe nicht vorhandene Innovationsfreudigkeit an den Tag gelegt hätte, würden wir heute wahrscheinlich noch in Höhlen leben. Dabei ist die hiesige GEZ mit jährlichen Einnahmen von über 7,6 Milliarden Euro an Zwangsgebühren eines der teuersten Rundfunk- und Fernsehsysteme der Welt und hätte eigentlich eine hervorragende Basis, um hochwertige Broadcasts zu realisieren. Trotzdem nehmen sich die dortigen Intedanten sogar noch die Frechheit heraus, über Ausweitungen und Erhöhungen der Abgaben zu debatieren. Es bleibt zu hoffen, dass das Missverhältnis zwischen dem Anliegen von vielen Gebührenzahlern und den Entscheidungen der Programmdirektoren im nächsten Jahr etwas harmonisiert wird. Letztendlich geht es weniger darum, Perlen der öffentlich-rechtlichen TV-Landschaft wie "Sturm der Liebe" oder "Marienhof" in bestmöglicher Qualität konsumieren zu können, sondern die Manifestierung des HD-Zeitalters im Massenmarkt und den damit verbundenen Impulsen für die komplette AV-Branche. Da ja immerhin Haushalte mit Satellitenanschluss in den Luxus von öffentlichen HDTV Übertragungen der kommenden Fußballweltmeisterschaft gelangen werden (alle Spiele überträgt in Deutschland offiziell jedoch nur Sky), sind die Aussichten trotz allen Unkenrufen rosiger denn je. 

Ausblick und Wünsche für 2010:

Zwischen der Entscheidung im Formatwettstreit zwischen HD-DVD und Blu-Ray im 2008, und dem propagiertem Einzug von fortschrittlicher 3D Technologie im nächsten Jahr, dürfte 2009 hauptsächlich als Phase der Evolutionen und Weiterentwicklungen in Erinnerung bleiben. Viele Trends wurden im Massenmarkt gefestigt (zB. Blu-Ray), zumal auch das Produktdesign (Optik, Größe, Ausstattung) sehr konsequent auf die Bedürfnisse der modernen Medienlandschaft angepasst wurde. Leider blieb dabei in vielen Bereichen die Bedienbarkeit und Betriebssicherheit ein wenig auf der Strecke, so dass die Hersteller in der Zukunft vermehrt auf Ergonomie achten sollten. AV-Komponenten im Jahre 2010 müssen den Anspruch haben, auch vom Otto-Normalverbraucher beherrschbar zu sein, der von Dingen wie De-Interlacing, PCM Umwandlung oder IP-Adressen keine Ahnung hat. Hierfür wäre es auch hilfreich, wenn auf Seiten der Konsumenten ein Umdenken in Bezug auf die Wertschätzung von Dienstleistungen eines guten Fachhändlers stattfindet und die extreme Preisfixierung und Schnäppchenmentalität ein wenig in den Hintergrund rückt. Letztendlich kauft man sich eigentlich keine einzelnen AV-Komponenten, sondern Lebenqualität durch den Genuss von Film und Musik - daher sollten sich speziell weniger erfahrene Anwender vor Augen führen, dass eine gute Beratung, intensives Probehören und evtl. sogar eine kompetente Installation im eigenen Wohnzimmer mehr Werthaltigkeit und Spaß mitbringen, als die Ersparnis vom EU-importierenden Internet-Palettenschieber. Selbstverständlich liegt es aber nicht nur an Industrie und dem Endkonsumenten, die Weichen für eine gute AV-Zukunft zu stellen, da auch von unserer Seite (Presse) der notwendige Input kommen muss, damit dem Interessenten eine faire und ehrliche Marktkenntnis geboten wird.

In diesem Sinne freue ich mich auf ein herausforderndes 2010 mit (hoffentlich) interessanten Produkten, neuen Trends und cineastischen Highlights.

Das gesamte AREADVD-Team bedankt sich bei allen Lesern für die Treue und das wertvolle Feedback. Wir wünschen allseits ein erfolgreiches und glückliches neues Jahr, welches auch abseits aller technischen Aspekte viel Freude bereiten soll ! 

"Mögen die Höhepunkte der Vergangenheit die Tiefpunkte der Zukunft sein"
(zweckentfremdetes Zitat aus "Catch me if you can")

Lars Mette- AREADVD Baden-Württemberg


Unser Partner für hochwertige Audiomöbel:


Text: Lars Mette

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